Gossner, Johannes Evangelista - Andachten über den 2. Brief an Timotheus

2. Timotheus 4,8.18.

Nun wartet meiner die Krone der Gerechtigkeit, die mir der Herr, der gerechte Richter, geben wird an jenem Tage; nicht aber allein mir, sondern auch allen, die seine Erscheinung lieb haben. - So wird mich der Herr von allem Übel erlösen und nur aushelfen zu seinem himmlischen Reiche.

Schöne Aussicht! So trübe es oft unter den Wolken ist, so helle und schön ist es über den Wolken. Wer auf einem hohen Gebirge ist, der hat das Wetter, die Wolken unter seinem Fuße und schaut geradezu in den unbewölkten Himmel auf. Wer sich im Glauben erhebt über die Betrübnisse und Leiden dieser Zeit; wer sich an Gottes Wort und Verheißung hält, der sieht den klaren Himmel vor sich, sieht mit unbewölktem Auge die Krone und Herrlichkeit, die ihm sein Heiland in seinem Worte vorhält und dort in seinem Reiche aufbewahrt. Er denkt: Sie ist in einer sichern Hand, es wird sie ihm niemand aus seiner Hand reißen. Wer diese lebendige Hoffnung hat, der kann nicht anders, er muss sich darnach sehnen, muss sich damit trösten. Er kann sein Herz nicht halten, es entflieht ihm oft und weilt dort, wo seine ewige Heimat und zukünftige Herrlichkeit ist. Denn das stärkt den alten müden Pilger, das hebt die Füße und ist der beste Labetrunk, die kräftigste Fußsalbe für den Wanderer. Erfreulich ist, was Paulus so bestimmt sagt: Der Herr wird mir die Krone der Gerechtigkeit geben, aber nicht nur mir, sondern allen, die seine Erscheinung lieb haben. Wer Seiner harret von einer Morgenwache zur andern, wer es kaum erwarten kann, bis er kommt, wer ihn lieber heute als erst morgen sehen möchte, wer so in heißer Sehnsucht nach ihm lebt: der wird die Krone und Herrlichkeit aus seiner Hand so gewiss als Paulus erhalten.